Do., 26.11.2026, 01:00 – Fr., 27.11.2026, 01:00
Kino Arsenal
Gerichtstraße 53, 13347 Berlin
Filmprogramm im Kino Arsenal
Filmreihe: feminist migrant queer | legacies presents futures
60 Jahre DFFB: Zum Jubiläum befragt eine Filmreihe Bezüge zwischen Vergangenheit und Gegenwart der Akademie. Drei Schlaglichter – feminist, migrant, queer – rücken Perspektiven ins Licht, die bis heute um Sichtbarkeit kämpfen müssen: Frauen, die für Gleichberechtigung stritten, Studierende mit migrantischen und internationalen Biografien, und ein queeres Kino, das seinen Begriff neu verhandelt.
Do 26.11., 20:00 Uhr — Queer Peripheries

Die Kampfjets aus Cristina Perinciolis experimentellem Kurzfilm Nichts fliegen in den Wald zur Kriegsromanze in Heldinnen der Liebe (Nathalie Percillier & Lily Besilly). Hier entkommen zwei lesbische Offizierinnen dem als Stummfilm-Komödie inszenierten Weltkrieg durch einen Zeitsprung ans Brandenburger Tor. In Pashke und Sofia bringt Karin Michalski in langen Einstellungen und intimen Interviews transmaskuline Lebensformen im ländlichen Albanien vor die Kamera und auf dem Bayerischen Jagdstuhl versucht Christoph in In den Binsen (Clara Zoë My-Linh von Arnim) seiner Mutter endlich von seinem Freund zu erzählen. Till Kleinerts Cowboy lässt schließlich in Horror-Gewand die Grenze zwischen Jäger und Gejagten verschwimmen – ein Immobilienmakler wird auf der Suche nach neuen Investmentobjekten auf dem Land verführt und in ein gefährliches Spiel auf dem Gutshof verstrickt.
Nichts
Regie: Cristina Perincioli · BRD 1968 · digital · 2 Min. · ohne Dialog
Heldinnen der Liebe
Regie: Nathalie Percillier, Lily Besilly · D 1996 · 16mm · 10 Min. · Deutsch mit englischen UT
Pashke und Sofia
Regie: Karin Michalski · D 2003 · DCP · 28 Min. · Albanisch mit englischen UT
In den Binsen
Regie: Clara Zoë My-Linh von Arnim · D 2020 · DCP · 6 Min. · Deutsch mit englischen UT
Cowboy
Regie: Till Kleinert · D 2008 · 35mm · 32 Min. · Deutsch mit englischen UT
Vorfilm:
Überwachungskamera
Regie: Christoph Heller · D 2006 · 35mm · 1 Min. · ohne Dialog
Kuratiert von Toby Ashraf und Sophie Holzberger
Gäste: Nathalie Percillier, Lily Besilly, Karin Michalski, Clara Zoë My-Linh von Arnim, Till Kleinert, Christoph Heller u.a.
Fr 27.11., 17:00 Uhr — Paths Crossing

Die drei Filmemacherinnen dieses Programms sind zwischen 1950 und 1953 geboren und kamen Anfang der 70er Jahre nach Deutschland. Ihre sehr unterschiedlichen Abschlussfilme, an denen sie gegenseitig beteiligt waren, entstanden 1984 und 1985. Sie sind Zeugnisse komplexer, biografisch bereicherter Weltwahrnehmung und gehören zu den zahlreichen Schätzen des DFFB-Archivs, die bislang weitgehend unbeachtet geblieben sind. Sophie Kotanyi war als ausgebildete Tänzerin in der freien Theaterszene West-Berlins aktiv, arbeitete als Theaterpädagogin und studierte ab 1974 an der DFFB. Irén Biró hatte mit ihren Eltern im politischen Asyl in der Schweiz gelebt, als Fotolaborantin in Frankfurt/Main gearbeitet und sich 1976 erfolgreich an der DFFB beworben. Bei der Aufnahmeprüfung lernte sie Chantal Laventure kennen, die nach einer Kindheit und Jugend in Südfrankreich schon einige Jahre durch Europa reiste, unter anderem als Praktikantin bei Leica in Weilburg, dann in Berlin als Küchenhilfe, Putzfrau und Fahrerin gearbeitet hatte. Die DFFB legte Wert darauf, dass Bewerber*innen eine gewisse Lebenserfahrung mitbrachten – diese Frauen hatten sie.
Transit
Ein Film von Irén Biró
BRD 1985 · 16mm · 20 Min. · Deutsch · ohne UT
Die Bilder dieses Films entstammen der radikalen Subjektive eines auf einem Krankenhausbett fixierten Körpers. Das Kameraauge tastet das fremde und reduzierte Blickfeld ab, findet immer wieder das Fenster und durch dieses einen Weg in die Erinnerung an frühere Menschen und andere Orte. Die Tonspur geht eigene Wege. Anlass und Ausgangspunkt von Irén Birós Abschlussfilm war ein folgenschwerer Fahrradunfall, der ihr bleibende Verletzungen verursachte und sie später zwang, die für sich entdeckte Berufung, als Kamerafrau zu arbeiten, aufzugeben.
Schwarz-Weiß Malerei
Regie: Sophie Kotanyi · Kamera: Ulrike Isenberg, Irén Biró, Tamara Wyss · Ton: Uli Fronmeyer, Sophie Kotanyi
BRD 1984 · 16mm · 38 Min. · [Sprachfassung tbc]
In ihrem Abschlussfilm porträtiert Sophie Kotanyi eine Kapverdianerin, die einen Deutschen geheiratet hat und mit ihm in West-Berlin lebt. Teresas Alltag ist ein Aushandeln der Vor- und Nachteile ihres neuen Lebens im materiellen Wohlstand und der Sorge, fortan weder hier noch dort willkommen zu sein. Ihre Wege durch die Stadt und ihre Beobachtungen, die als Voiceover den Film begleiten, zeichnen eine persönliche Spur. Der Film thematisiert den Kontext, in dem Sophie Kotanyi sich beruflich weiter bewegen wird: als Dokumentarfilmerin, Pädagogin und Projektleiterin in post-kolonialen Gesellschaften, vor allem in den ehemals portugiesischen Kolonien.
Fuge Staccato
Konzept, Kamera, Schnitt: Chantal Laventure · Ton: Irén Biró · Mischung: Werner Günther · Negativ-Schnitt: Barbara Kupferer · Produktionsleitung: Joachim Rothe, Joanna Störkmann · Text von Antonio Hernando, gesprochen von Telma Savietto
BRD 1984/85 · 16mm · 40 Min. · [Sprachfassung tbc]
West-Berlin in den Wochen um den Jahreswechsel 1983/84. Die Zeit der kurzen Tage und der langen Schatten, aus denen Menschen treten, die man so noch nie gesehen hat. Irgendwo ist Weihnachten und der Freigang zu Silvester erscheint wie eine Vorübung zur Revolte. Man müsste Chantal Laventures kontrastreiches Porträt dieser Stadt, die es ihr nicht leicht gemacht hat, eine Sinfonie nennen. Wenn es nicht so abgegriffen wäre. Und nichts an diesem Film ist abgegriffen, jede Einstellung ein gelebter Moment von großer fotografischer Schönheit.
Kuratiert von Karina Griffith und Tobias Hering
Gäste: Sophie Kotanyi, Chantal Laventure
Fr 27.11., 20:30 Uhr — Speculation / Mobilization

Dieses Programm zeigt zwei Archivfunde aus den 1980er Jahren: Zwölf Jahre vor Cheryl Dunyes legendärer Mockumentary The Watermelon Woman erzählt der weitgehend unbekannt gebliebene Film Lucy (1984) lesbische Geschichte in Form eines spekulativen Dokumentarfilms. Auf der Suche nach ihrer Tante Lucy erkundet die Filmemacherin Vérénice (ehemals Verena) Rudolph New York und seine Bewohner:innen 1984. Die schwarzweißen Bilder der Bolex lassen die Stadt bei Nacht schimmern, während sich in intimen Porträtaufnahmen von Weggefährt:innen Sehnsüchte und Erinnerungen an einen geliebten Menschen entfalten. Karsten Witte nannte ihn „den schönsten Film, den ich seit langem sah”, Alexander Kluge hielt ihn für einen „großen Film.” Für Kluge arbeitete Vérénice Rudolph auch als Schauspielerin. In dieser Reihe ist sie zudem in Maria Langs Zärtlichkeiten (1985) zu sehen. Weibliche Zone (1986) hingegen reiht sich in die Geschichte des politischen Dokumentarfilmschaffens an der DFFB ein und bringt Aktivistinnen und Ärztinnen zusammen, um den Stand der Gynäkologie und Reproduktionstechnik in Deutschland zu hinterfragen. Gedreht wurde in vier Tagen, im Film ist jedoch nur ein Bruchteil der Gespräche zu hören. Zwischen Aufnahmen medizinischer Werkzeuge, die nach Science-Fiction anmuten, kommt zum Beispiel Soziologin Silvia Kontos zu Wort, die die männliche Vorherrschaft in der Medizin auch theoretisch hinterfragt und bedrohliche Entwicklungen prognostiziert. Regisseurin Gerda Grossmann war in der Frauenbewegung aktiv und hat unter anderem die Beratungsstelle Hydra für Sexarbeiterinnen ins Leben gerufen. Der Film hat seinerzeit zur Veränderung der Geburtsmedizin beigetragen.
Lucy
Regie: Vérénice (ehemals Verena) Rudolph · BRD 1984 · 16mm · 45 Min. · Deutsch, Englisch · ohne UT
Weibliche Zone
Regie: Gerda Grossmann · BRD 1986 · 16mm · 41 Min. · Deutsch · ohne UT
Kuratiert von Fiona Berg, Sophie Holzberger und Arisa Purkpong
Gäste: Vérénice Rudolph, Gerda Grossmann