Do., 12.11.2026, 01:00 – Fr., 13.11.2026, 01:00
Deutsche Kinemathek
Mauerstraße 79, 10117 Berlin
Filmprogramm in der Deutschen Kinemathek
Filmreihe: feminist migrant queer | legacies presents futures
60 Jahre DFFB: Zum Jubiläum befragt eine Filmreihe Bezüge zwischen Vergangenheit und Gegenwart der Akademie. Drei Schlaglichter – feminist, migrant, queer – rücken Perspektiven ins Licht, die bis heute um Sichtbarkeit kämpfen müssen: Frauen, die für Gleichberechtigung stritten, Studierende mit migrantischen und internationalen Biografien, und ein queeres Kino, das seinen Begriff neu verhandelt.
Do 12.11., 20:00 Uhr — Queer Journeys

Als Teil der Filmreihe feminist migrant queer | legacies presents futures präsentiert die DFFB in drei Programmen eine Auswahl queerer Filme aus den letzten 60 Jahren der Filmhochschule in der Deutschen Kinemathek, dem Sinema Transtopia und dem Kino Arsenal.
Flat Desires
Regie: Senem Göcmen · D 2017 · DCP · 4 Min. · stumm
In ihrem experimentellen Stummfilm entzieht Senem Göcmen den Bilderfluten des Internets und der Metropole jegliche Eindeutigkeit. Hier wird auf unterhaltsame Weise assoziativ zusammengesetzt, was neue Bedeutung schaffen kann.
XX to XY: Fighting to be Jake
Regie: Emily Atef · D 2002 · DCP · 21 Min. · Englisch mit deutschen UT
Emily Atefs erster Film an der DFFB stellt zugleich ihre einzige dokumentarische Arbeit dar: Die preisgekrönte Regisseurin („Das Fremde in mir”, „3 Tage in Quiberon”) trifft in England den jungen Jake und begleitet ihn bei seiner Transition. Entstanden ist ein intimes Kurzporträt, das von einem zärtlichen Blick und der Offenheit seines Protagonisten geprägt ist.
Zärtlichkeiten
Regie: Maria Lang · BRD 1985 · DCP · 29 Min. · Deutsch mit englischen UT
Zwischen Theaterproben und Barbesuchen entführt Maria Lang in die lesbische Subkultur West-Berlins und lässt dabei auch DFFB-Kolleginnen wie Verena Rudolph oder Angelika Levi (als Li Levy) auftreten. Ein dokumentarisch anmutender Spielfilm über Liebe, Freizeit und Zusammensein und ein Film ohne Männer.
Etage X
Regie: Francy Fabritz · D 2016 · DCP · 14 Min. · Deutsch mit englischen UT
Zwei Frauen stecken in einem Kaufhaus im Fahrstuhl fest. Eine lustvolle, lesbische Spekulation darüber, was im Verborgenen passieren kann, wenn zwei fremde Frauen aus ihrer Not eine Tugend machen; sorgfältig inszeniert und umwerfend gespielt.
For Those Who Love, Leave, and Love Again
Regie: Paolo Laganà · D 2025 · DCP · 18 Min. · Deutsch, Englisch mit englischen UT
Ein junger Mann driftet zwischen Großstadt und Provinz. Inmitten von Sex, Dates und queerer Gemeinschaft sucht er seinen Platz und erscheint dabei immer am Rand. In strengen Bildern fängt Paolo Laganà feinfühlig einen Schwebezustand zwischen Einsamkeit und Zugehörigkeit ein.
Vorfilm:
Überwachungskamera
Regie: Christoph Heller · D 2006 · 35mm · 1 Min. · ohne Dialog
Kuratiert von Toby Ashraf und Sophie Holzberger
Gäste: Senem Göcmen, Jake Yearsley, Francy Fabritz, Paolo Laganà, Ute Aurand, Lilly Grote, Angelika Levi u.a.
Fr 13.11., 18:00 Uhr — Spiralling

Ein Filmstudium ist eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Erwartungen, eigenen und fremden, realen und eingebildeten – letztlich ein Emanzipationsprozess. Ausgangspunkt für das Programm „Spiralling” war die Frage, wie sich diese Auseinandersetzung in neueren DFFB-Filmen abbildet, wie Student*innen-Filme ästhetisch Position beziehen zu einer Ausbildung, bei der das Versprechen der Professionalisierung auch zu einem Hindernis werden kann für Originalität und Risikofreude. Filmen von Florinda Frisardi, Faraz Fesharaki/Moritz Friese und Ewelina Rosińska, die zwischen 2017 und 2025 in unterschiedlichen Stadien des Studiums entstanden, ist ein früher Film von Raoul Peck vorangestellt, der den Hebelpunkt seiner Kritik in der Sprache findet. Das künstlerische Spektrum dieser Filme ist weit – eine Weite, die sich auftut, solange Filme mit dem Mut gemacht werden, formale oder ideologische Erwartungen zu hinterfragen.
Leugt
Regie: Raoul Peck · Ton: Manfred Stahl
BRD 1983 · DCP · 13 Min. · Deutsch mit englischen UT
„Vokale, Konsonanten, Pausen, Interpunktion bilden lediglich eine Aneinanderreihung von Tönen und Nicht-Tönen, bei denen wir, die Masse, aufgrund jahrhundertelanger systematischer Staatsbürgerkunde doch noch Intonationen, Akzente herausdestillieren können, so dass wir, trotz des »Nichtkapierens, was er eben gesagt hat oder überhaupt, was er die ganze Zeit erzählt hat«, an den richtigen Stellen klatschen können.” (Raoul Peck – aus einem Projekt-Exposé für Leugt, Mai 1983)
Reigen
Regie: Florinda Frisardi · Buch: Florinda Frisardi & Felix Schuster · Kamera: Felix Schuster · Montage: Florinda Frisardi · Ton: Alex Feldman · Mit: Rebecca Lindauer, Tim Lanzinger, Laura Talenti, Vincent Brusdeylins · Produktion: Florinda Frisardi & Sebastian Ladwig
D 2025 · DCP · 6 Min. · Deutsch mit englischen UT
In einer einzigen, kontinuierlichen Einstellung wird ein fulminantes Eifersuchtsdrama in einer Tiefgarage erzählt. Zunächst vertraute Tropen des populären Erzählkinos geraten dabei durch einen narrativen Loop in eine verwirrende Schieflage. Ein Bewegtbild-Trompe l’oeil, das fruchtbar nachwirkt.
It’s a criminal waste to give this film a postproduction
Regie, Buch, Kamera, Montage: Faraz Fesharaki, Moritz Friese · Ton: Josha Eickel, Jan Pasemann · Musik: Rahi Sinaki · Mit: Mitra Kia, Hassan Fesharaki, Tina Kadkhodayan, Sadaf Javdani, Rahi Sinaki, Sohrab Yazdanmehr, Roozbeh Tazhibi, Sara Faezypour · Produktion: Luise Hauschild, Faraz Fesharaki, Moritz Friese
D/Iran 2017 · DCP · 20 Min. · Farsi, Deutsch mit englischen UT
An einem Film-Set: Regisseur Faraz will eine Szene drehen, in der er einen Video-Call mit seinen Eltern führt. Kaum hat das Gespräch begonnen, stellt vor allem der Vater den vorgegebenen Dialog infrage. Das mediale Alltagssetting des Zoom-Gesprächs sabotiert die Ambitionen des Produktionsapparats Spielfilm.
Ashes by name is man
Regie: Ewelina Rosińska · Tonmischung: Jan Pasemann · Mit: Janina Mokrzycka, Władysław Mokrzycki · Produktion: Roxana Richters, Ewelina Rosińska
D 2023 · gedreht auf 16mm, DCP · 20 Min. · ohne Dialog
Ewelina Rosińska hat ihren Abschlussfilm mit der 16mm-Kamera in Kulturlandschaften um Krakau und Lwiw gedreht und dabei mit dem Alltag ihrer Großeltern auch eine vom Katholizismus geprägte ländliche Lebensform porträtiert. „In den Schriften meines Lieblingsmalers lese ich, dass die polnische Landschaft für ihn den Blick ständig auf den Boden zu lenken scheint und uns dazu bringt, nicht über den Horizont, sondern unter unsere Füße zu schauen, auf die Knochen, die unter jedem Schritt begraben sind.” (Ewelina Rosińska)
Kuratiert von Karina Griffith und Tobias Hering
Gäste: Florinda Frisardi, Sebastian Ladwig, Faraz Fesharaki [tbc], Moritz Friese, Ewelina Rosińska
Fr 13.11., 20:30 Uhr — Health and Happiness

Die Filme verbindet die Frage, welche Rolle Gemeinschaft innerhalb kapitalistisch-patriarchaler Ordnung einnimmt und wie Veränderung, Glück oder Gesundheit überhaupt möglich sind. Mit Helfen können wir uns nur selbst (1974) begleitet Gardi Deppe acht junge Frauen in der westdeutschen Kurklinik Auental und inszeniert mit ihnen ein Rollenspiel, in dem sie ihren Ausbeutungserfahrungen Ausdruck verleihen und diese als Produkt struktureller Verhältnisse kenntlich machen. Durch die Gespräche mit den Ärzten wird deutlich, dass die Kur weniger auf Heilung als auf die Wiedereingliederung in Arbeitswelt und Familie abzielt. Gardi Deppe war Teil der Wochenschau-Gruppe an der DFFB. Der Film wurde auf den Oberhausener Kurzfilmtagen uraufgeführt. Für Die fünfblättrige Fliederblüte (1993) besucht Yingli Ma ihre Heimatstadt Beijing und trifft vier Freund:innen aus ihrer Schulzeit. In Gesprächen über ihr Arbeits- und Privatleben zeichnet der Film ein Bild Chinas nach der zerschlagenen Demokratiebewegung 1989 und vor der wirtschaftlichen Öffnung zum Westen hin: Die jungen Erwachsenen berichten vom steigenden Leistungsdruck, während die glücksbringende Blüte zum Zeichen der Hoffnung und ihrer Freundschaft wird. Yingli Ma kam 1988 zum Studium an die DFFB und beschäftigt sich in ihrer Arbeit als Filmemacherin, Produzentin und Drehbuchautorin unter anderem mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen und damit, wie sich diese individuell auswirken.
Helfen können wir uns nur selbst
Regie: Gardi Deppe · BRD 1974 · DCP · 48 Min. · Deutsch mit englischen UT
Die fünfblättrige Fliederblüte
Regie: Yingli Ma · D 1993 · DCP · 30 Min. · Deutsch, Mandarin mit deutschen UT
Kuratiert von Fiona Berg, Sophie Holzberger und Arisa Purkpong